Flüchtlinge berichteten am 8. Juni über Guinea
“Ich habe immer Angst”
Flüchtlinge aus Guinea berichten
über die Lage in ihrem Heimatland
“Ich lebe jetzt über acht Jahre in Deutschland. Das heißt, ich habe über achte Jahre Frustration, Sorge, Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit und Ängste. Ich habe immer Angst vor den Händen der guineischen Polizei, weil wir im Fall einer Abschiebung nicht wissen, was mit uns nach einer Stunde passieren wird. Ob man nach einer Woche noch am Leben ist. Jedes Mal, wenn man einkaufen geht, am Ende stellt man sich wieder dieselbe Frage: Ob ich es zu ende essen kann.” -  Angst bestimmt das Leben von M. Diallo. Angst vor der Abschiebung, Angst vor den Machthabern in seiner Heimat, Angst um seine Verwandten. Diallo stammt aus Guinea.
Ein kleines Land in Westafrika mit 7,5 Millionen Einwohnern und einer maroden Wirtschaft. Ein Land, das niemanden wirklich interessiert. Guinea liefert keinen Stoff für fette Schlagzeilen. Die Menschen im Land des Staatspräsidenten Lansana Conté leiden unter Ausschluss der der Weltöffentlichkeit. Die, die vor der politischen Unterdrückung nach Deutschland fliehen, droht Abschiebung.
Zuammen mit dem Asyl-Arbeitskreis Soest und der Flüchtlingsberatungsstelle der Diakonie Hochsauerland-Soest hatte die Soester amnesty-Gruppe jetzt zu einem Informationsabend ins Bürgerzentrum Alter Schlachthof eingeladen. Flüchtlinge aus der ehemaligen französischen Kolonie, die seit 1984 von General Lansana Conté regiert wird, berichteten über die Situation in ihrer Heimat. ai-Gruppensprecherin Ulla Gutsche stellte die Erkenntnisse von amnesty international zur Menschenrechtslage in Guinea vor.
Regelmäßig gibt es Berichte über Menschenrechtsverstöße. Politische Gegner des Präsidenten müssen mit brutaler Verfolgung rechnen, Wahlen entsprechen nicht demokratischen Standards, Präsident Conté ändert die Verfassung nach seinen persönlichen Interessen.
Alpha Condé, Vorsitzender der Oppositionspartei Rassemblement pour la Guinée wurde einen Tag nach der Präsidentschaftswahl am 14. Dezember 1998 festgenommen. Er hatte bei der Wahl den dritten Platz belegt. Später wurde er zusammen mit 47 anderen Personen unter anderem wegen “unerlaubten Waffengebrauchs” und dem “Angriff auf die Autorität und territoriale Integrität des Staates” angeklagt. Condé wurde Ende 2000 zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Wenige Monate später wurde er nach massiven Protesten von Menschenrechtsorganisationen wie ai begnadigt.
Amnesty liegen Berichte über willkürliche Festnahmen, unfaire Verfahren, Folterungen, extralegale Hinrichtungen, Vergewaltigungen durch Staatsdiener und andere Menschenrechtsverstöße vor. Es gibt Berichte über die Bedrohung von Flüchtlingen, die aus Sierra Leone und Liberia vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat nach Guinea geflüchtet waren. Mädchen und Frauen sollen durch Mitarbeiter nationaler und internationaler Organisationen als “Gegenleistung” für  Hilfsleistungen sexuell ausgebeutet worden.
Die politische Opposition warf der Regierung Manipulation des Wahlergebnisse bei den Parlamentswahlen 2002 vor. Im Dezember 2003 ließ sich Lansana Conté nach einer vorherigen Verfassungsänderung zum dritten Mal zum Präsidenten wählen. Die Opposition hatte die Wahl boykottiert.
“Nur ein Ende der Diktatur in Guinea würde es möglich machen, dass all die, die aus Angst vor Verfolgung ihre Heimat verlassen mussten, wieder zurückkehren könnten. Deshalb wünschen wir uns von aller Welt die diplomatische und moralische Unterstützung bei der Demokratisierung unseres Landes, damit auch alle Guineer endlich wieder in Frieden und Freiheit leben könne”, sagte M. Diallo. 
Deutschland und die Europäische Union müssten bei ihren wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu Guinea auf die Einhaltung der Menschenrechte achten. Solange Menschen wegen ihrer politischen Überzeugung mit brutaler Verfolgung rechnen müssten, dürften Flüchtlinge nicht abgeschoben werden, forderten Teilnehmer der gut besuchten Veranstaltung.
Informationen zur Menschenrechtslage in Guinea in den ai-Jahresberichten und im Internet unter www.amnesty.de
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