Millionen Mädchen Opfer von Genitalverstümmelung
AI-Gruppe fordert intensive Aufklärung

Am 6. Februar findet der Internationale Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung statt. 
Mit dem Tag soll auf die schweren Menschenrechtsverletzungen durch die kulturell verankerte Beschneidung weiblicher Genitalien aufmerksam gemacht werden. 
Die UN-Menschenrechtskommission hat den 6. Februar zum internationalen Gedenktag erklärt. 
Am Vorabend dieses Gedenktages erläuterte Ulla Gutsche, Mitglied der Soester amnesty-Gruppe, in einem Vortrag die vielschichtige Problematik weiblicher Genitalverstümmelung.
Die Beschneidung von Jungen hat in Deutschland für heftige Diskussionen gesorgt, 
nachdem ein Gericht diese im Judentum und Islam übliche Praxis als Verstoß gegen die Rechte der Kinder gewertet hatte. 
Per Gesetzesänderung wurde die Beschneidung von Jungen inzwischen rechtlich abgesichert. 
Weibliche Genitalverstümmelung  ist ein wesentlich gravierender körperlicher und psychischer Eingriff und deshalb nur eingeschränkt mit der Beschneidung von Jungen vergleichbar. Es stelle sich bei der Diskussion über die Beschneidung von Mädchen und Frauen die Frage, wie weit Toleranz gegenüber kultureller Andersartigkeit reichen dürfe, so Ulla Gutsche.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass 100 bis140 Millionen Frauen genitalverstümmelt sind. Auch in Deutschland sind viele Migrantinnen betroffen. Mädchen werden zum Teil währen der Schulferien in die Herkunftsländer der Familien gebracht, um sie dort beschneiden zu lassen. Eine Strafverfolgung ist nicht möglich, wenn die Migranten keinen  deutschen Pass haben und die Beschneidung im Ausland stattgefunden hat. In Deutschland ist weibliche Genitalverstümmelung kein eigener Straftatbestand, sie kann lediglich als schwere Körperverletzung geahndet werden. Frauenrechtsorganisationen setzen sich für eine Verschärfung der strafrechtlichen Regelungen ein. 
In anderen europäischen Ländern wie zum Beispiel Großbritannien ist die Gesetzeslage strenger als hierzulande.
Problematisch ist auch die medizinische Betreuung unter einer Beschneidung leidender Frauen,
da es sie als Diagnose und Abrechnungsmöglichkeit der Krankenkassen nicht gibt.
Die WHO unterscheidet vier Typen von Female Genital Mutilation (FGM): 
Typ 1 ist die so genannte leichte Beschneidung, bei der der sichtbare Teil der Klitoris entfernt wird.
Typ 2 bezeichnet die vollständige Entfernung der Klitoris und der inneren Schamlippen.
Unter Typ 3 versteht die WHO die Verkleinerung der Vaginalöffnung (Infibulation). 
Von dieser Form der Genitalverstümmelung sind nach Schätzungen der WHO rund 20 Prozent der beschnittenen Frauen betroffen
Unter Typ 4 subsummiert die WHO alle anderen Formen weiblicher Genitalverstümmelung, 
die nicht in die ersten drei Kategorien eingeordnet werden können.
Weibliche Genitalverstümmelung ist in afrikanischen Ländern besonders verbreitet, wird aber auch in arabischen Ländern und im asiatischen Raum praktiziert. Aufgrund des wachsenden weltweiten öffentlichen Drucks werden Initiationsriten, mit den die Beschneidungen gefeiert werden, 
zwar seltener, auf einen Rückgang der Beschneidungen kann deshalb aber nicht geschlossen werden. Fachleute beobachten zudem, dass die beschnittenen Mädchen immer jünger werden. 
Im Durchschnitt wird die Beschneidung im Alter von vier bis zwölf Jahren vorgenommen.
Hierbei kommt es häufig zu großen gesundheitlichen Komplikationen, weil die traditionell ausgebildeten Hebammen hygienische Mindeststandards nicht beachten. Wohlhabende Familien ziehen deshalb den Eingriff in einer Klinik vor. Generell ist ein Trend zur  Medikalisierung  zu beobachten.
Pro Jahr sind rund drei Millionen Mädchen von einer Genitalverstümmelung bedroht. Schwerpunkt ist Afrika. So sind allein in Somalia 80 Prozent der Frauen nach Typ 3 der WHO-Einteilung beschnitten. Fachleute gehen  davon aus, dass in Deutschland rund 18 000 beschnittene Migrantinnen leben. 
Weibliche Beschneidung wird zwar von Islamisten häufig propagiert, ist aber mit dem Koran nicht zu begründen. Sie ist älter als Christentum und Islam und bereits für das Ägypten der Pharaonen nachweisbar. Der Wunsch nach männlicher Kontrolle über die Sexualität der Frau und archaische Ehrvorstellungen müssen bei der Suche nach den Ursachen für weibliche Genitalverstümmelung in den Blickpunkt genommen werden. Neuere Untersuchungen belegen, dass insbesondere die Frauen an der Praxis der Beschneidung von Mädchen festhalten wollen, denn sie fürchten ansonsten soziale Ausgrenzung und den Verlust von Heiratschancen.
Die Folgen weiblicher Genitalverstümmelung sind für die Frauen selber schwer zu beurteilen, da sie ja keine Sexualität ohne Beschneidung kennen. 
Mediziner heben das Risiko für großen Blutverlust bei der Beschneidung hervor. 
Weitere Risikofaktoren sind schwere Infekte. Geschlechtsverkehr wird als äußerst schmerzhaft empfunden. Geburten sind ebenfalls mit extremem Schmerz verbunden. Zudem stellen Mediziner ein höheres Unfruchtbarkeitsrisiko durch die Beschneidung heraus.
Für amnesty international ist weibliche Genitalverstümmelung eine Menschenrechtsverletzung. 
Die Soester ai-Gruppe setzt sich neben einer konsequenten Strafverfolgung dafür ein, durch intensive Aufklärung zu einer Bewusstseinsveränderung beizutragen, um so weibliche Genitalverstümmelung weltweit zu ächten.
                                                                                                                                                        Martin Huckebrink
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