briefe gegen das vergessen
BRIEFE GEGEN DAS VERGESSEN - AKTION DES MONATS SEPTEMBER 2012

MIHAIL STOYANOV
Hristina Stoyanova mit einem Foto ihres Sohnes Mihail Stoyanov: Amnesty International
Der 25-jährige Student Mihail Stoyanov wurde am 30. September 2008 während eines Spaziergangs im Park Borrisowa Gardima in der bulgarischen Hauptstadt Sofia zu Tode geprügelt. Die Angreifer schlugen so lange auf ihn ein, bis er infolge einer Verletzung der Luftröhre erstickte. Vier Jahre später sind diejenigen, die für die Tötung von Mihail Stoyanov verantwortlich sind, noch immer nicht vor Gericht gestellt worden. Zeugenberichten zufolge haben die Angreifer Mihail Stoyanov angegriffen, weil sie ihn für einen Homosexuellen hielten.
Als Hristina Stoyanova, die Mutter des Medizinstudenten, eine Vermisstenanzeige bei der örtlichen Polizeibehörde aufgab, stellte man ihr zahlreiche Fragen über die Neigungen und Freunde ihres Sohnes. Die Wohnung, in der sie gemeinsam mit Mihail Stoyanov lebte, wurde auf Drogen durchsucht. Anschließend sagte man ihr, dass ihr Sohn getötet worden war.
Zwei Jahre später wurden zwei Verdächtige inhaftiert. Drei ZeugInnen hatten bestätigt, sie bei der Tötung von Mihail Stoyanov gesehen zu haben und einer der Verdächtigen legte während der Ermittlungen ein Schuldgeständnis ab. Alle drei gehörten einer Gruppe an, die im Park Borrisowa Gardima Männer angriffen, weil sie diese für schwul hielten. Im April dieses Jahres wurden alle drei auf Kaution freigelassen. Obwohl der Staatsanwalt bestätigte, dass man während der Ermittlungen stichhaltige Beweise für die Schuld der Verdächtigen fand, wurden sie weder angeklagt noch vor Gericht gestellt. Das Verfahren wird derzeit nicht fortgesetzt.
In Bulgarien zeichnet sich ein Muster im Umgang mit homophoben Verbrechen ab. Oft werden diese Taten weder untersucht noch strafrechtlich verfolgt. Die meisten Verbrechen dieser Kategorie werden sogar nicht einmal angezeigt, weil die Opfer den Behörden nicht vertrauen, da BehördenvertreterInnen in der Vergangenheit oftmals vermeintlich Homosexuelle oder Transgender-Personen offen diskriminiert haben.
Bitte schreiben Sie höflich formulierte Briefe an den Staatsanwalt der Stadt Sofia, in denen Sie ein Gerichtsverfahren gegen diejenigen fordern, die für die Tötung von Mihail Stoyanov verantwortlich sind. Fordern Sie ihn zudem auf, Maßnahmen gegen die Diskriminierung von Homo- und Bisexuellen sowie Transgendern in Bulgarien einzuleiten.

Schreiben Sie in gutem Bulgarisch, Englisch oder auf Deutsch an:

Staatsanwalt Dragomir Yanchev
Sofia City Prosecutor's Office
2 Vitosha Boulevard
1061 Sofia
Bulgarien
(korrekte Anrede: Dear Prosecutor / Sehr geehrter Herr Staatsanwalt)
Fax: (00 359) 2 981 8 32
E-Mail: press@prb.bg

Standardbrief Luftpost bis 20g: € 0,75

Senden Sie eine Kopie Ihres Schreibens an:

Botschaft der Republik Bulgarien
S.E. Herrn Radi Naidenov
Mauerstr. 11, 10117 Berlin
Fax: 030-208 68 38
E-Mail: Embassy.Berlin@mfa.bg


Sie können dazu einen in deutscher oder englischer Sprache verfassten Brief downloaden. 
(siehe unten)
Hier der deutsche Text:

Sehr geehrter Herr Staatsanwalt,

am 30. September 2008 wurde der 25-jährige Student Mihail Stoyanov während eines Spaziergangs im Park Borrisowa Gardima in der bulgarischen Hauptstadt Sofia zu Tode geprügelt. Zeugenaussagen zufolge wurde Mihail angegriffen, weil die Täter ihn für homosexuell hielten. Die Täter sind bis heute nicht vor Gericht gestellt worden.

Zwei Jahre nach der Tat wurden zwei Verdächtige verhaftet. Zeugen hatten ausgesagt, sie bei der Tat gesehen zu haben; einer der Verdächtigen gestand die Tat. Im April wurden sie auf Kaution freigelassen. Obwohl die Staatsanwaltschaft bestätigt hat, dass Beweise für die Schuld der Verdächtigen vorliegen, wird das Verfahren zurzeit nicht fortgesetzt. 

Ich fordere Sie auf, diejenigen, die Mihail Stoyanov getötet haben, vor Gericht zu stellen und für ihre Tat zur Verantwortung zu ziehen. Des Weiteren fordere ich Sie dazu auf, Maßnahmen einzuleiten, die Homo- und Bisexuelle sowie Transgendern in Bulgarien vor Diskriminierung schützen.
 

Mit freundlichen Grüßen 
 


Sollten Sie eine Antwort auf Ihr Appellschreiben erhalten, schicken Sie bitte eine Kopie an amnesty international.
amnesty international, Postfach, 53108 Bonn 
Tel.: 0228/983730;
Fax: 0228/630036
E-mail: Info@amnesty.de   Internet: www.amnesty.de

Anschreiben 
in Englisch als Druckausgabe:
pdf
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Anschreiben 
in Deutsch als Druckausgabe:
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