briefe gegen das vergessen
BRIEFE GEGEN DAS VERGESSEN - AKTION DES MONATS NOVEMBER 2008

Türkei
 

Ferhat Gercek

Am 7. Oktober 2007 verkauften politische Aktivisten, darunter der 19-jährige Ferhat Gerçek, in Istanbul Ausgaben einer legalen linksgerichteten Zeitschrift.
Die Polizei griff ein, der Konflikt eskalierte und die Beamten eröffneten das Feuer auf die Aktivisten. Ferhat Gerçek wurde in den Rücken getroffen, wodurch er dauerhaft gelähmt ist.
Die Beamten gaben an, Warnschüsse zur Selbstverteidigung abgegeben zu haben. Laut Anklageschrift wurde Ferhat Gerçek nicht von einem direkten Schuss, sondern von einem Querschläger getroffen. Forensische Beweise für diese Behauptung wurden jedoch nicht vorgelegt.
Der Anwalt von Ferhat Gerçek macht Fehler im Ermittlungsverfahren geltend. Es gab keine Tatortbesichtigung durch den Staatsanwalt. Die Polizei verlor ein ent- scheidendes Beweisstück, das T-Shirt, das Ferhat Gerçek trug, als er angeschossen wurde. Beamte, die bei der Schießerei dabei waren, seien auch an der Untersuchung beteiligt gewesen, was Zweifel an der Unabhängigkeit der Ermittlungen aufwirft.
Die Anklageschrift nennt Ferhat Gerçek und sieben Polizeibeamte sowohl als Opfer als auch als Verdächtige. Bei einer Verurteilung könnten Ferhat Gerçek und einem mit ihm angeklagten Zeugen der Schießerei 15 Jahre Gefängnis drohen. Obwohl die Beamten wegen ihrer Gewaltanwendung vor Gericht gestellt werden, ist es möglich, dass die Person, die Ferhat Gerçek angeschossen hat, niemals zur Rechenschaft gezogen wird, da die Untersuchung fehlerhaft war. Zwei weitere Personen, die Ferhat Gerçek erste Hilfe leisteten, werden ebenfalls strafrechtlich verfolgt.

Bitte schreiben Sie höflich formulierte Briefe an den zuständigen Staatsanwalt, in denen Sie ihn auffordern, zu gewährleisten, dass Ferhat Gerçek einen fairen Prozess erhält. Drücken Sie Ihre Besorgnis angesichts der offenkundigen Fehler bei den Ermittlungen aus und dringen Sie darauf, dass diese Fehler Gegenstand einer unabhängigen und gründlichen Untersuchung werden.

Schreiben Sie in gutem Türkisch, Englisch oder auf Deutsch an:

STAATSANWALT VON BAKlRKÖY
Baklrköy Public Prosecutor Rahmi Tan
Baklrköy Cumhuriyet Bassavcisi
Baklrköy Adliye Sarayi
34144 Osmaniye Baklrköy
Istanbul
TÜRKEI
(korrekte Anrede: Dear Prosecutor)
(Standardbrief Luftpostbrief bis 20g: € 0,70)
Senden sie bitte eine Kopie ihres Schreibens an
BOTSCHAFT DER REPUBLIK TÜRKEI
S. E. Herrn Ali Ahmet Acet
Rungestraße 9
10179 Berlin
Fax: 030-27 59 09 15
E-Mail: turk.em.berlin@t-online.de


Sie können dazu einen in deutscher oder englischer Sprache verfassten Brief downloaden.  (siehe unten)
Hier der deutsche Text:
Sehr geehrter Herr Staatsanwalt,

 angesichts von Berichten über den Fall von Ferhat Gerçek bin ich sehr besorgt.
Berichten zufolge war Ferhat Gerçek Teil einer Gruppe von politischen Aktivisten, die am 7. Oktober 2007 in Istanbul Ausgaben einer legalen linksgerichteten Zeitschrift verkauften. Nach dem Eingreifen der Polizei eskalierte der Konflikt  und die Beamten eröffneten das Feuer auf die Aktivisten. Ferhat Gerçek wurde in den Rücken getroffen, wodurch er dauerhaft gelähmt wurde. 
Die Beamten gaben später an, sie hätten  Warnschüsse zur Selbstverteidigung abgegeben. Laut der Anklageschrift wurde Ferhat Gerçek nicht von einen direkten Schuß, sondern von einem Querschläger getroffen. Forensische Beweise für diese Behauptung wurden jedoch keine vorgelegt. Ferhat Gerçek's Anwalt macht Fehler im Ermittlungsverfahren geltend. Die Staatsanwaltschaft hat den Tatort nicht besichtigt und die Polizei hat ein wichtiges Beweisstück, das T-shirt, das Ferhat Gerçek getragen hat, als er angeschossen wurde, verloren. 
Darüberhinaus waren Beamte die an der Schießerei beteiligt waren, auch an den Ermittlungen zu dem Fall beteiligt. Dies wirft Zweifel an der Unabhängigkeit der Ermittlungen auf. Die Anklageschrift nennt Ferhat Gerçek und sieben Polizeibeamte sowohl Opfer als auch Verdächtige. Im Falle einer Verurteilung drohen Ferhat Gerçek und einem mitangeklagten Zeugen bis zu 15 Jahre Haft. Obgleich die Beamten wegen der Gewaltanwendung angeklagt wurden, ist es aufgrund der fehlerhaften Ermittlungen möglich, dass derjenige der Ferhat Gerçek angeschossen hat, nie dafür zur Rechenschaft gezogen wird.
Daher fordere ich Sie dringend auf, sicherzustellen, dass Ferhat Gerçek einen fairen Prozeß erhält. Darüberhinaus möchte ich meine Besorgnis angesichts der offensichtlichen Verfahrensfehler zum Ausdruck bringen. Ich fordere Sie ebenfalls dringend dazu auf, eine unabhängige und gründliche Untersuchung darüber einzuleiten, wie die Fehler geschehen konnten. 

Bitte informieren Sie mich über die weitere Entwicklung dieser ernsten Angelegenheit. 

Mit freundlichen Grüßen
 


Sollten Sie eine Antwort auf Ihr Appellschreiben erhalten, schicken Sie bitte eine Kopie an amnesty international.
amnesty international, Postfach, 53108 Bonn 
Tel.: 0228/983730;
Fax: 0228/630036
E-mail: Info@amnesty.de   Internet: www.amnesty.de

Anschreiben 
(Übersetzung) in Englisch als Druckausgabe:
pdf
rtf
Anschreiben 
in Deutsch als Druckausgabe:
pdf
rtf

zurück
home
ai allgemein
Mitglied werden
amnesty deutschland
ai in soest
presse
kontakt
impressum
aktuelles
briefe gegen     das vergessen