Das Schweigen brechen
Amnesty ruft zur Unterstützung auf
Soest. Der 10. Dezember ist der internationale Tag der Menschenrechte. Ein Tag, um auf die Verfolgung politisch Andersdenkender, auf Folter, unfaire Prozesse und die Todesstrafe besonders aufmerksam zu machen. „Menschenrechtsarbeit ist für uns jedoch ein Thema, das uns das ganze Jahr über beschäftigt“, sagt Bernadette Wieners. Sie ist Sprecherin der Soester Gruppe der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI).
 „Das Schweigen ist das eigentliche Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, stellt der amerikanische Historiker Fritz Stern in seinen Lebenserinnerungen fest. Hätten im 20. Jahrhundert mehr Menschen die Stimme erhoben und Zivilcourage gezeigt, wäre die Geschichte anders verlaufen, ist Stern überzeugt. Das Schweigen brechen, Verstöße gegen die Menschenrechte öffentlich machen, die Einhaltung von Menschenrechtsstandards einfordern, das sind Aufgaben, die sich Amnesty International gestellt hat.
AI ist eine weltweite, von Regierungen, politischen Parteien, Ideologien, Wirtschaftsinteressen und Religionen unabhängige Mitgliederorganisation. Auf Grundlage der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte wendet sich AI gegen schwer wiegende Verletzungen der Rechte eines jeden Menschen auf Meinungsfreiheit, auf Freiheit von Diskriminierung sowie auf körperliche und geistige Unversehrtheit. 1977 erhielt Amnesty International den Friedensnobelpreis.
1,8 Millionen Menschen in 150 Ländern arbeiten bei AI mit oder unterstützen die Arbeit. Zu diesen 1,8 Millionen gehören auch die Mitglieder der Soester Gruppe. Menschenrechtsarbeit lebt vom Engagement vieler, die das Schweigen brechen, in ihrer Umgebung um Unterstützung werben und sich für politische Gefangene und Opfer von Gewalt und Diskriminierung einsetzen.
Zweimal im Monat, am ersten und dritten Dienstag, trifft sich die Gruppe um 20 Uhr im Bürgerzentrum Alter Schlachthof. Dann geht es um die Planung neuer Aktionen, um die Bearbeitung von Themen wie den Kampf um die weltweite Abschaffung der  Todesstrafe oder Menschenrechtsverletzungen in bestimmten Ländern, die AI zum Thema einer aktuellen Kampagne gemacht hat. „Wir überlegen dann, wie wir am wirksamsten arbeiten können“, erläutert Gruppensprecherin Bernadette Wieners.
Info-Stände in der Fußgängerzone und Vorträge in Schulen oder Diskussionen mit kirchlichen Gruppen gehören genauso zu den Arbeitsformen wie außergewöhnliche Aktionen. So hat AI zusammen mit dem Kunstverein Kreis Soest Künstlerinnen und Künstler eingeladen, sich mit der Forderung nach einem Stopp des Kleinwaffenhandels zu befassen. Ergebnis war eine Veranstaltungsreihe mit einer großen Ausstellung sowie Konzerten, Gottesdienst und Vortrag. Ein anderes Beispiel: Vor mehreren hundert Zuhörern sprach der US-Amerikaner Juan Melendez im Februar 2006 auf Einladung von AI Soest über die 18 Jahre, die er unschuldig in einem amerikanischen Todestrakt gesessen hatte.
 „Für unsere ehrenamtliche Arbeit brauchen wir dringend weitere Mitstreiter. Wer Lust hat, sich für die Menschenrechte zu engagieren, sollte deshalb einfach zu einem der nächsten Gruppentreffen kommen und sich näher informieren“, lädt Bernadette Wieners ein.
Die Menschenrechtsarbeit von Amnesty International ist breit angelegt. Ein globales Netz von Beobachtern – den Researchern -  und ehrenamtlichen Mitarbeitern erstellt regelmäßig Berichte und weist auf Verstöße gegen internationale Menschenrechtsstandards  hin. Diese Arbeit kostet Geld. Um unabhängig zu bleiben, nimmt AI keine Spenden von Staaten oder Organisationen  an, aus denen Abhängigkeiten entstehen  könnten. Deshalb müssen alle Gruppen ihren finanziellen Beitrag zur Finanzierung der Menschenrechtsarbeit leisten. Die Soester veranstalten deshalb seit Jahren einen großen Bücherflohmarkt. Mit dem Verkauf der „alten Schätzchen“ kommt das nötige Geld in die Kasse. Auch dafür ist der tatkräftige Einsatz der Gruppenmitglieder nötig.
Ist Menschenrechtsarbeit nicht frustrierend? Was kann der Einzelne schon erreichen? „Leider ist nicht jeder Appell ein Erfolg“, weiß Gruppensprecherin Bernadette Wieners. Dranbleiben, nicht locker lassen ist deshalb eine Voraussetzung für die AI-Arbeit. Immer wieder gibt es aber auch Meldungen, die Mut zum Weitermachen geben. So wurde vor wenigen Wochen die vietnamesische Anwältin Bui Thi Kim Thanh aus einem psychiatrischen Krankenhaus entlassen. AI hatte eine Eilaktion für sie gestartet, weil sie ohne medizinische Grundlage gegen ihren Willen und aus politischen Gründen festgehalten wurde.
Neue technische Möglichkeiten verändern auch die Menschenrechtsarbeit. Neben dem klassischen Weg, Appellbriefe auf Papier an Regierungen zu schreiben, werden E-Mail-Aktionen immer wichtiger. „Die Aktionsform ist zudem leicht zu organisieren und schneller durchführbar“, erläutert Frank Schindler. Er verschickt an die Gruppenmitglieder und Unterstützer regelmäßig Eilaktionen („Urgent Actions“) per E-Mail, die diese dann mit ihrem Namen  versehen und an die Adressaten weiterschicken.

Kontakt: 02921/ 342024 (Bernadette Wieners)

zurück
home
ai allgemein
Mitglied werden
amnesty deutschland
ai in soest
presse
kontakt
impressum
aktuelles
briefe gegen     das vergessen