„Es gibt zunehmend offenen Hass“
Diakonie-Flüchtlingsberater Heinz Drucks zu Gast bei ai Soest
„Es gibt zunehmend offenen Hass“, stellt Heinz Druck fest. Stereotypen gegenüber Roma lassen sich zwar über Jahrhunderte und Landes- grenzen nachweisen, doch der aktuelle Zustrom von Roma aus Bulgarien und Rumänien werde von einer heftigen Stimmungsmache begleitet, die in offene Ablehnung, ja sogar blanken Hass umzuschlagen drohe, so Drucks.
Er arbeitet in der Soester Diakonie- Beratungsstelle Flüchtlinge. Die Soester amnesty- Gruppe hatte Drucks am 5. März  zu Gast, um über die aktuelle Situation von Flüchtlingen im Kreisgebiet zu berichten.
Diakonie-Flüchtlingsberater 
Heinz Drucks
Schwerpunkt des Abends war die Situation der Roma. Im Kreis Soest leben zurzeit rund 100 Angehörige des Volkes ohne gesicherten Status.
Seit Monaten registrieren die Behörden einen verstärkten Zustrom von Roma aus Bulgarien und Rumänien. Dort leben sie am Rande der Gesellschaft in äußerster Armut. In einigen Ländern sind Roma zunehmend durch offene, von den Strafverfolgungsbehörden oft nicht oder nur unzureichend verfolgter Gewalt bedroht. Ungarn ist hierfür ein Negativ-Beispiel, aber auch in Bulgarien und Rumänien gewinnen extremistische und rassistische Gruppen an Einfluss.
Für die Klagen der Städte und Gemeinden in Deutschland über den verstärkten Zustrom hat Drucks nur wenig Verständnis. Denn man habe es schlichtweg versäumt, sich auf die neue Situation einzustellen. Dass Zuzug von Roma auch ohne Spannungen verlaufen könne, zeige das Beispiel der Stadt Hamm. Seit vielen Jahren setzen Politik und Verwaltung dort auf eine aktive Integrationspolitik. Bis zu 2500 Roma leben in Hamm – „ohne dass es Schlagzeilen gibt“, unterstreicht Drucks. 
Dass das Zusammenleben mit Roma zu Konflikten führen kann, weil unterschiedliche Kulturen und Lebensgewohnheiten aufeinander treffen, stellt Drucks nicht in Frage. „Es geht aber um unsere eigene Menschlichkeit“, sagt der Flüchtlingsberater. Und: „Die Menschrechte müssen für alle gelten, die in Europa leben.“
Roma verließen Länder wie Bulgarien und Rumänien, weil sie in aussichtsloser Armut lebten und von Diskriminierung und Gewalt bedroht seien. Der aktuelle Zustrom sei auch eine Folge der fehlenden Sozialcharta in der EU. Drucks kritisiert Politiker-Vorschläge, den freien Personenverkehr in der EU angesichts aktueller Probleme wieder einzuschränken. „Es sind nämlich einfach die falschen Menschen, die jetzt kommen“, erklärt Drucks die politischen Abwehrmechanismen und warnt davor, zu reglementieren, bevor überhaupt etwas passiert sei. Denn die Zuwanderung von Roma habe längst nicht die von Politikern und Medien behaupteten Ausmaße erreicht.
In Soest stellt sich bei der Arbeit mit und für Flüchtlinge ganz allgemein vor allem  das Problem, Wohnraum für diese Menschen zu finden. Zudem spielt die Lage der Wohnungen eine wichtige Rolle. In ländlichen Gebieten wie Welver oder Rüthen befinden sich die Unterkünfte nämlich so weit  von den Zentren entfernt, dass für die Bewohner nicht möglich sei, eine Beschäftigung zu finden. Damit könnten sie ihren Lebensunterhalt oft nicht selber sichern.
63 Bleibeberechtigte mit einer so genannten „Fiktionsbescheinigung“ liefen deshalb Gefahr, diese Bleibeberechtigung wieder zu verlieren, wenn sie nicht für ihren Lebensunterhalt sorgen könnten. „Dafür muss der Arbeitsplatz aber erreichbar sein“, beschreibt Drucks das Dilemma.                                                                 Martin Huckebrink
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